Eröffnungsfeier des Zubaues der Linearbeschleuniger 4 und 5
Graz, am 23. Juni 2010 -
Univ. Klinik für Strahlentherapie-Radioonkologie:
Zwei neue topmoderne Linearbeschleuniger verkürzen die Wartezeit für Krebspatientinnen und -patienten
Der lang ersehnte Ausbau der Strahlentherapie für zwei weitere Hochleistungs-Linearbeschleuniger ist abgeschlossen. Mit den beiden in Österreich einzigartigen Linac´s wird die Betreuungskapazität von 1800 auf 2000 Bestrahlungen pro Jahr erhöht und die Warteliste kann Schritt für Schritt abgebaut werden.
Zur Unterbringung der beiden neuen Linearbeschleuniger wurde ein Zubau errichtet. Die bauliche Erweiterung mit einer Bruttogeschoßfläche von 1101 m² wurde mit einem Kostenaufwand von 4,1 Millionen Euro im vorgegebenen Kostenrahmen und Bauzeit realisiert. Die Anschaffungskosten der beiden Beschleuniger betragen ca. 4,6 Millionen Euro und werden einerseits aus dem Programm LKH 2020 und andererseits aus dem Großgeräteprogramm 2010 finanziert. Somit belaufen sich die Gesamtkosten auf rund 8,7 Millionen Euro. Erfreulicherweise konnten sich die bekannt hohe heimische Wertschöpfung von KAGes-Bauprojekten auch beim Zubau fortsetzen. Von den 25 beauftragten Unternehmen sind 23 in der Steiermark ansässig. Mit 15 Grazer Unternehmen gab es gerade in der derzeit schwierigen Wirtschaftslage einen beachtlichen Impuls für die regionale Bauwirtschaft.
Zur radioonkologischen Versorgung der Steirerinnen und Steirer wurde 1984 das Gebäude der Strahlentherapie-Radioonkologie am LKH-Univ. Klinikum Graz mit einer Kobaltanlage und zwei damals erstmalig in der Steiermark in Betrieb genommenen Linearbeschleunigeranlagen („Linac`s": linear acclerators) errichtet.
Linearbeschleuniger sind Geräte zur Erzeugung von hochenergetischer, durchdringender Röntgenstrahlung (Photonen) und Korpuskularstrahlung (Elektronen) und können durch Auswahl der Strahlenarten das gesamte Spektrum der Tumortherapie abdecken. Für die Vorständin der Universitätsklinik für Strahlentherapie-Radioonkologie, Univ.-Prof. Dr. Karin Kapp, stellt die Strahlentherapie mittels Linearbeschleuniger eine höchst effektive onkologische Therapieform dar und ist Teil des modernen interdisziplinären Therapiemanagements. 60 Prozent der Strahlenbehandlungen erfolgen mit dem Ziel der Heilung des Patienten. Zum Beispiel kann durch gezielte Bestrahlung des Tumors und seines regionären Lymphabflusses die Ausbreitung unterschiedlicher Tumore wirksam verhindert werden. Für den Patienten sind die Bestrahlungen vollkommen schmerzlos.
Kontinuierlich steigende Zuweisungen, bedingt durch verbesserte Früherkennung von Tumoren, Einführung multimodaler Therapiekonzepte unter Zusammenführung seinerzeit ausschließlich operativer und/oder medikamentöser Behandlungen mit radiotherapeutischen Verfahren, erhöhten - verdoppelten sogar - den Bedarf an radioonkologischen Leistungen und erforderten eine Ausweitung der bestehenden Therapiegeräte.
Linearbeschleuniger der neuesten Generation
Der im April dieses Jahres in Betrieb genommene vierte Linearbeschleuniger verfügt über ein hochmodernes Bildgebungssystem, welches direkt vor der eigentlichen Bestrahlung die Lage des Tumors exakt erkennt und die Behandlung an die wechselnden Bedingungen im Körper anpasst. Die neue Technologie gestattet eine noch genauere Kontrolle sowohl der Patientenpositionierung als auch des zu bestrahlenden Tumors. Neben der Verwendung dieser 3D- Daten für die Patientinnen und Patienten bzgl. Tumorpositionierung kann die Lage von beweglichen Risikoorganen wie beispielsweise der Harnblase oder des Dünndarms unmittelbar vor der Bestrahlung nochmals kontrolliert werden. Zudem lässt sich bei fraktionierten Behandlungen das Ansprechen des Tumors monitorisieren und für den Fortgang der Bestrahlung berücksichtigen. Hierfür wurde der Begriff der adaptiven Radiotherapie geprägt.
Der fünfte Linearbeschleuniger, der ab Oktober 2010 betriebsbereit sein wird, ermöglicht eine Erweiterung des Behandlungsspektrums mit sowohl einer stereotaktische Höchstpräzisionsbestrahlung im Kopfbereich als auch im gesamten Körperstamm. Dieses Topgerät ist in Österreich einzigartig. Mit diesem Gerät kann atemsynchron bestrahlt werden, was bedeutet, dass aufgrund einer integrierten „Adaptive-Gating"-Technologie die Tumorbewegung mit dem Atemzyklus des Patienten abgeglichen wird. So wird erreicht, dass Strahlung nur dann abgegeben wird, wenn sich der Tumor im Zielgebiet befindet. Eine weitere Steigerung der Präzision wird dadurch erreicht, dass nicht nur der Atemzyklus registriert wird sondern eine kontinuierliche Kontrolle der genauen Tumorposition sogar während einer Bestrahlungssitzung stattfindet. Mit Hilfe dieser Information können Abweichungen zwischen IST- und SOLL-Position in sechs Raumrichtungen korrigiert werden. Erst dadurch kann das Konzept der Radiochirurgie in Form von kurativen Einzeitbestrahlungen bei Lungen- und Lebertumoren verwirklicht werden, ohne inakzeptable Toxizitäten befürchten zu müssen.
Durch die Anschaffung der beiden neuen Linearbeschleunigeranlagen steht der Grazer Medizin mit der Dynamic Arc Therapie eine weitere Form der Hochpräzisionsbestrahlung zur Verfügung. Während bei der konformalen Bestrahlung einzelne Bestrahlungsstehfelder verwendet werden, dreht sich bei der Dynamic Arc Therapie das Bestrahlungsgerät während der Bestrahlung um den Patienten und bestrahlt die Tumorregion kontinuierlich. Damit ist der Strahl besonders stark auf die Tumorregion konzentriert. Diese Therapieform wird insbesondere dann sinnvoll eingesetzt werden können, wenn hohe Bestrahlungsdosen erforderlich sind und damit zur Verbesserung der Tumorkontrolle von wenig strahlenempfindlichen Tumoren beitragen.
Der Zubau im Detail
Der Zubau zur Strahlentherapie umfasst im Obergeschoss die beiden zusätzlichen Beschleuniger inkl. der dazugehörigen Schalträume, Computerräume und Umkleiden, sowie neue Dienstzimmer, einen Untersuchungsraum, Ver- und Entsorgungsräume sowie einen neuen Sozialraum. Der Warteraum wurde in Richtung Osten durch einen Wintergarten vergrößert. Damit wird der zusätzlichen Anzahl von Patienten Rechnung getragen.
Im Erdgeschoss wurden die zusätzlich notwendigen Technikräume inkl. eines neuen Trafos untergebracht.
Die Erweiterung der Beschleunigerräume erfolgt durch die Verlängerung des Ganges vor den drei bereits vorhandenen Linearbeschleunigern. Die bestehende Leitstelle/Anmeldung bedient alle fünf Linearbeschleuniger. Dazu musste die Leitstelle ebenfalls umgebaut und vergrößert werden.
Zwischen den neuen Schalträumen, von wo aus das Personal die Geräte bedient, wurde ein Lichthof errichtet. Im Gegensatz zu den bestehenden Schalträumen verfügen die Mitarbeiter im neuen Abschnitt über eine natürliche Belichtung und Belüftung.
Die Geräte entsprechen dem neuesten Stand der Technik. Die Behandlungsräume sind mit einer steuerbaren farbigen LED-Beleuchtung ausgestattet. Durch diese angenehme Lichtführung soll dem Patienten der psychische Druck etwas genommen werden.
Der wichtigste Bereich dieses Zubaues liegt unter der Erde. So wird den Strahlenschutzmaßnahmen in vollem Umfang Rechnung getragen.
Die von außen sichtbaren Gebäudeteile und das innere Erscheinungsbild ist mit hellen Farbtönen und bewusst schlicht und leicht ausgeführt. Dies schafft einen Kontrast zum bestehenden Gebäude, welches in den 70er Jahren als massiver Bau mit kräftiger Farbgebung errichtet wurde.
Für den KAGes-Vorstandsvorsitzenden Dipl.-Ing. Dr. Werner Leodolter erfährt die steirische Bevölkerung durch diese Investition einen doppelten Nutzen: "Zum Einen kann durch die High-Tech-Gerätevermehrung die Wartezeit für die onkologischen Patienten verkürzt werden. Zum Anderen bringt der Zubau wichtige regionale Impulse für die heimische Bauwirtschaft".
Gesundheitslandesrätin Dr.in Bettina Vollath ergänzt: „Ich persönlich freue mich sehr, dass wir hier seitens des Landes gemeinsam mit der KAGes einen weiteren wichtigen Schritt für die Versorgung unserer onkologischen Patientinnen und Patienten, insbesondere aber auch für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leisten können. Gemeinsam haben wir es geschafft, den Bund nach enormen Anstrengungen aller Beteiligten dazu zu bringen, sich zum Projekt LKH 2020 zu bekennen, weil uns die Patiientinnen und Patienten so wichtig sind - denn unsere steirische Gesundheitspolitik stellt den Menschen in den Mittelpunkt. Wir wollen eine leistbare, qualitätsvolle Gesundheitsversorgung für alle Steierinnen und Steirer und dafür stehen wir ein. Ein Danke nochmals an alle, die mit uns gemeinsam diese Weg gegangen sind!"
Kosten Um- und Zubau .......................................................................... € 4,1 Millionen
Kosten der beiden Linearbeschleuniger .....................................................€ 4,6 Millionen
Baubeginn .....................................................................................................März 2009
Rohbaufertigstellung ............................................................................September 2009
Übergabe .......................................................................................................Juni 2010
Bauzeit ..........................................................................................................14 Monate

Foto von der Eröffnungsfeier:
(v.l.n.r.) Ärztlicher Direktor Univ.-Prof. Dr. Gernot Brunner, Betriebsdirektor Mag. Gebhard Falzberger, Medizinvorständin Univ.-Prof. Dr. Petra Kohlberger, MSc, Landesrätin Dr.in Bettina Vollath, Vorstandsvorsitzender Dipl.-Ing. Dr. Werner Leodolter, Univ.-Prof. Dr. Karin Kapp, Finanzvorstand Dipl.-KHBW Ernst Fartek, MBA, Pflegedirektorin DKKS Christa Tax, MSc.







