Eröffnung der Tuberkulosestation Enzenbach
Enzenbach, am 9. November 2011 -
LKH Hörgas-Enzenbach
Tuberkuloseerkrankungen steigen wieder an
Die Tuberkulose, auch als Schwindsucht, weiße Pest oder Morbus Koch bezeichnet, ist laut WHO wieder im Vormarsch. Wenn auch der Erreger der Tuberkulose durch Robert Koch bereits vor 125 Jahren entdeckt wurde, ist diese Erkrankung auch heute noch immer die Infektionskrankheit mit den weltweit häufigsten Todesfällen. Die 1970 veröffentlichte Prognose der WHO, die Tuberkulose sei bis zur Jahrtausendwende ausgerottet, hat sich nicht erfüllt. Mit der epidemieartigen Ausbreitung von AIDS kam es zu einem massiven Anstieg der Tuberkuloseerkrankungen auf allen Kontinenten.
Deshalb deklarierte die WHO ihr Vorhaben hinsichtlich TBC neu. Als Zielsetzung gilt es nun, die weltweite Zunahme der Erkrankungen bis 2020 unter Kontrolle zu bringen. 2010 ermittelte die WHO 8,8 Millionen Menschen, die neu an TBC erkrankten und etwa 1,4 Millionen, die an TBC starben. Dies bedeutet über 24.000 Neuinfektionen und beinahe 4.000 Todesfälle an Tuberkulose pro Tag.
Tuberkulose beschränkt sich längst nicht nur auf Entwicklungsländer. In Österreich lag die Prävalenzrate 2009 bei 13 TBC-Erkrankten auf 100.000 Einwohner. Besondere Gefahr bedeutet die Immigration aus Ländern, die eine hohe Prävalenzrate (wie beispielsweise Moldawien 264/100.000) aufweisen.
Im Gegensatz zu sämtlichen anderen Erkrankungen beträgt die Inkubationszeit zwischen Infektion und Ausbruch der Erkrankung viele Jahre bis Jahrzehnte. Eine Isolation nach der Infektion, wie sie bei anderen Infektionserkrankungen üblich ist, ist daher kaum möglich. Eine frühe Diagnose ist aufgrund der dezenten Symptomatik kaum möglich. Zudem ist das Tuberkulosebakterium extrem widerstandsfähig und ein überaus „intelligenter", multiresistenter Keim. Er besitzt die Fähigkeit, viel rascher auf Medikamente zu reagieren und Resistenzen auszubilden als die meisten anderen menschen-pathogenen Keime. „Superimpfstoffe", welche die Infektion verhindern und die Erkrankung nach einer Infektion vermeiden könnten, existieren derzeit noch nicht.
Modernste Tuberkuloseabteilung Europas
Nach Abschluss der beiden Bauabschnitte der TBC-Station mit einem Gesamtkostenaufwand von knapp 3,9 Millionen Euro besitzt die Steiermark im LKH Enzenbach die derzeit modernste Tuberkuloseabteilung Europas. Diese entspricht internationalen Erkenntnissen und Empfehlungen und ist österreichweit Vorbild für die Behandlung und Betreuung von Tuberkulosepatienten.
Das Bauprojekt im Detail
Nach Abschluss der beiden Bauabschnitte umfasst die neu gestaltete Tuberkulosestation insgesamt 18 komfortable Betten (sechs Einbettzimmer, zwei Zweibettzimmer und zwei Vierbettzimmer) in moderner und funktionaler Ausstattung. Die Ausstattung der Zimmer entspricht hohen Ansprüchen. Das harmonisch abgestimmte Farbkonzept vermittelt eine angenehme Raumatmosphäre. Eine spezielle Kommunikationseinheit mit integrierter Rufanlage, Radio und Flachbild-schirm bietet Ablenkung und Unterhaltung. Sämtliche Einheiten sind mit einer Nasszelle, bestehend aus Dusche, Waschbecken und WC, ausgerüstet und auch behindertengerecht eingerichtet. Dank der ausgefeilten Haustechnik können auch Patienten mit multiresistenter Tuberkulose behandelt werden. Zwischen Krankenzimmer und Gang gibt es Schleusen mit Unterdruckfunktion, um die Ausbreitung der ansteckenden Keime wirkungsvoll zu unterbinden. Die Lüftungsanlage wird zentral vom Schwesternstützpunkt aus gesteuert und ist so ausgelegt, dass für jede Krankenzimmer-Einheit das Unterdrucksystem separat aktiviert werden kann. Aufgrund der vollständig abgedichteten Fenster (zur Aufrechterhaltung des Unterdrucks) und der süd- bzw. nordseitigen Lage der Krankenzimmer sind sämtliche Räume klimatisiert, die permanent erfasste Temperatur wird wie sämtliche anderen technischen Daten am Überwachungsdisplay im Schwesternstützpunkt ausgewiesen.
Die historische Entwicklung der Tuberkuloseheilstätte
1904 wurde der Bau der Tuberkuloseheilstätte Hörgas begonnen und 1906 eröffnet. Rasch stellte man fest, dass diese Einrichtung bei Weitem nicht ausreichte, um die Erkrankten zu versorgen. Aus diesem Grund wurde in Enzenbach im März 1913 mit dem Bau einer weiteren Heilstätte mit dem Namen „Hörgas II" begonnen und diese am 29. Februar 1915 nach nur zweijähriger Bauzeit mit 151 Betten in Betrieb genommen.
Erst durch die Entwicklung des Antibiotikums Streptomycin und weiterer Antibiotika und deren kombinierter Verabreichung gab es erste wirksame Erfolge in der Bekämpfung. Durch den Rückgang der Tuberkulose konnten in Hörgas und Enzenbach auch Patienten mit anderen Atemwegs- und Lungenerkrankungen aufgenommen und behandelt werden, sodass die beiden Häuser 1959 den neuen Status eines „Landes-Lungenkrankenhauses" erhielten.
Im Rahmen der Neuorientierung der Landeskrankenhäuser nach Übernahme durch die KAGes wurde im Mai 1989 das LKH Hörgas zu einer Abteilung für Innere Medizin umgewidmet. Das LKH Enzenbach blieb weiter als Abteilung für Lungenkrankheiten bestehen und wurde zum Schwerpunktkrankenhaus und weiter zum „Pulmologischen Zentrum" ausgebaut.
Enzenbach erhielt 1997 eine Intensivstation mit vier Betten, deren Schwerpunkt die Behandlung von maschinell beatmeten Problempatienten ist. Diese erste und bislang einzige Intensivstation der Steiermark mit einem derartigen Behandlungsspektrum hat sich im Laufe der Jahre konsequent weiter entwickelt, sodass heute auch kritische beatmungspflichtige Patienten mit schwerem Multiorganversagen mit Erfolg behandelt werden können. Die Leistungen der Intensivstation entsprechen der höchsten Intensiv-Kategorie (Kategorie III). Der Großteil der Patienten wird von anderen Intensivstationen steirischer LKHs zugewiesen.
Als einziges Krankenhaus der Steiermark besitzt Enzenbach auch eine isolierte Intensiveinheit für intensivpflichtige Tuberkulosepatienten. Damit ist es möglich, auch diesen Patienten die Errungenschaften der modernen Intensivmedizin angedeihen zu lassen, ohne andere intensivpflichtige Patienten zu gefährden.
2004 wurde eine spezielle Beatmungsstation geschaffen (Respiratory Care Unit, RCU), in der stabile Beatmungspatienten binnen kurzer Zeit auf Eigenatmung umgestellt bzw. weiterhin invasiv beatmungspflichtige Patienten für die weitere Betreuung zu Hause vorbereitet werden. Im Februar 2009 wurde der Laborbereich generalsaniert, und Enzenbach erhielt ein Tuberkulose-Speziallabor. 2010 wurde das Schlaflabor mit fünf Betten auf den modernsten Stand gebracht und erfüllt als erstes akkreditiertes Schlaflabor der Steiermark auch internationale Qualitätsnormen. Gemäß Regionalen Strukturplan Gesundheit 2011 wird diese Versorgung bis 2019 nach Graz verlegt.
Die Gesamtkosten für beide Bauabschnitte der TBC-Station im LKH Enzenbach betragen ca. € 3,874 Mio.
Planung (1. Bauabschnitt)
Start
2. Quartal 2006
Ende
3. Quartal 2007
Umsetzung bzw. Realisierung
Start
3. Quartal 2007
Ende
2. Quartal 2009
| Start | 3. Quartal 2008 |
| Ende |
3. Quartal 2009 |
Umsetzung bzw. Realisierung
Start
2. Quartal 2009
Ende
2. Quartal 2011
Größe:
ca. 763 m² verbaute Stationsfläche, davon
ca. 349 m² für Bettenstation (18 Betten) und
ca. 414 m² für Versorgung (Schwesternstützpunkt, Stationsküche, Untersuchungszimmer, Aufenthaltsraum, WC für Mitarbeiter und Besucher, Gang, Versorgung, Entsorgung)








